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Bewegtbild/TV

Stampft die Bild TV-Chefredaktion die "Live"-Strecke komplett ein?

Die Chefredaktion von Bild TV tritt offenbar auf die Kostenbremse. Sie will die personalintensive „Live“-Strecke eindampfen und durch Dokus ersetzen. Das nährt Spekulationen über einen Stellenabbau.

Gregory Lipinski09.11.2022 14:06
"Bild TV" -
"Bild TV" - Foto: Imago / Jochen Eckel

Das Programm von Bild TV steht offenbar vor gravierenden Einschnitten. Wie der „Spiegel“ berichtet, soll bis Ende des Jahres die werktägliche Dauersendung "Bild Live" verschwinden, das zentrale Programmangebot des Senders. Als Grund nennt das Magazin offenbar die hohen Kosten, die der Sendebetrieb verschlinge. „Anders als Talkshows wie 'Viertel nach Acht' und 'Die richtigen Fragen' benötigt 'Bild Live' Außenreporter, Kamerateams und mehr Aufwand hinter den Kulissen“, heißt es in dem Bericht.

Die „Live“-Strecke soll künftig  durch vorproduzierte Dokus und billigere Formate ersetzt werden. Lediglich zu Großereignissen wie Terroranschlägen wolle Bild TV noch live senden. Käme es hierzu, wäre dies ein Offenbarungseid für die Bewegtbild-Strategie der Boulevardzeitung, die dadurch auch das Leserinteresse an der Marke „Bild“ ausbauen wollte. Der „Spiegel“ spekuliert zudem, dass das Berliner Medienhaus Axel Springer den TV-Ableger ganz einstellt.

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Die Überlegungen sind möglicherweise Teil eines umfassenden Spar- und Umbauprogramms im News Media Bereich von Axel Springer. Ulrike Handel, die das Vorstandsressort News Media National verantwortet, plant ein Strukturprojekt, um die beiden Medienmarken zukunftssicher zu machen. Dazu holt sie die Unternehmensberatung Boston Consulting Group an ihre Seite. Die Mitarbeiter befürchten tiefgreifende Veränderungen.

"Bild": "Halten an Bewegtbildstrategie fest"

Zudem hatte vor Kurzem eine Mail der Geschäftsführung von News Media National – darunter „Bild“-Chef Johannes Boie und „Welt“-Gruppen-Chef Ulf Poschardt – für Besorgnis bei den Mitarbeitern der roten und blauen Gruppe von Axel Springer gesorgt, die Einschnitte befürchten. Darin hatte die Führungsspitze den beiden Medienmarken des Berliner Digitalhauses strikte Kostendisziplin verkündet. „Die konjunkturellen Schwierigkeiten, ausgelöst unter anderem durch Krieg und Inflation, haben auch unsere wirtschaftlichen Ergebnisse unter Druck gebracht. Besonders belasten uns die steigenden Papierpreise, das Ausbleiben von Anzeigenumsätzen sowie das allgemein veränderte Konsumverhalten“, heißt es dort. Darum wolle man stärker auf die Kosten achten. „Wir haben daher entschieden, ähnlich wie in der Vergangenheit, bis auf Weiteres auf Neueinstellungen zu verzichten und freie Stellen nicht nachzubesetzen."(MEEDIA berichtete)

Ein „Bild“-Sprecher erklärt auf MEEDIA-Anfrage: "Bild TV ist ein wichtiger Teil der übergreifenden Bewegtbildstrategie für 'Bild'. Wie alle Sender arbeiten wir ständig daran, unser Programm zu optimieren und unsere Zuschauer über die jeweiligen Distributionskanäle optimal zu erreichen. Das gilt umso mehr in dem aktuell für die gesamte Branche wirtschaftlich schwierigen Umfeld. Live-Strecken wird es bei 'Bild TV' auch im kommenden Jahr geben. Unsere Programmplanung für 2023 ist aber noch nicht abgeschlossen", heißt es. Und weiter: „'Viertel nach Acht' ist erfolgreich bei Bild, 'Die richtigen Fragen' bestimmt regelmäßig die Debatten insbesondere in den sozialen Medien. Beide Sendungen werden auch im kommenden Jahr eine wichtige Programmfarbe bei 'Bild' sein."

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