Anzeige
Bewegtbild/TV

WDR-Journalist klagt wegen "faktischer Nichtbeschäftigung" gegen den Sender

Der WDR-Journalist Jürgen Döschner geht rechtlich gegen seinen Arbeitgeber vor. Der Vorwurf: "Faktische Nichtbeschäftigung". Wurde Döschner für seine kritischen Klima-Recherchen abgestraft und kaltgestellt? Der WDR wehrt sich gegen diese Behauptung.

Meedia Redaktion28.10.2022 09:06
Foto: Imago

Döschner firmierte in den öffentlich-rechtlichen Anstalten von 2011 bis 2017 offiziell als "Energie-Experte", arbeitete in der WDR-Investigativredaktion "Story und Recherche". Auch das ARD-Hörfunkstudio in Moskau leitete er bereits und er berichtete 2014 aus der Ukraine. Der WDR beauftragte Döschner regelmäßig. Und dennoch, das berichten "Correctiv" und der "Kölner Stadt-Anzeiger" in einer gemeinsamen Recherche, erhalte er seit 2019 so gut wie keine Aufträge für Berichte, Kommentare oder andere journalistischen Produkte im WDR mehr.

Maximal fünf Stunden im Monat könne er deshalb nur noch arbeiten - bei einem Jahresgehalt von 100.000 Euro. Döschners Anwalt spricht von einem "faktischen Arbeitsverbot" und kündigt an: "Wir sind überzeugt, dass wir die Nichtbeschäftigung nachweisen können".

Döschner-Beiträge zu kritisch?

Wie kam es zu der Situation? Dem "KStA"- und "Correctiv"-Bericht zufolge macht Döschner seine kritischen Kommentare zum Braunkohletagebau als Startpunkt des Streits aus. Damit hatte er teils heftige Reaktionen bei Nutzern und Hörern des WDR ausgelöst. Ein Beitrag, in dem der frühere NRW-Ministerpräsident Armin Laschet in einem Video erstmals selbst zugab, einen Vorwand für die Räumung des Hambacher Forsts gesucht zu haben, löschte der Sender überraschend und laut einer internen Mail "in Rücksprache mit (Programmchef) Jörg Schönenborn" und mit Verweis auf fehlenden Newswert.

Im April dieses Jahres habe sich die Gewerkschaft Verdi bereits in der Causa Döschner an den WDR gewandt und angemahnt, die Nichtbeschäftigung zu beenden. Dem "KStA" und "Correctiv" teilt der Sender dazu mit: "Die Entscheidung, ob Beitragsangebote einzelner Redakteur:innen berücksichtigt werden oder nicht, liegt allein im Ermessen der jeweils abnehmenden Programmbereiche."

Döschner scheiterte mehrfach beim Versuch, intern eine neue Stelle zu finden, nachdem "Story und Recherche" im April 2019 aufgelöst worden war. Er wandte sich mit seinem Anliegen daher wohl bereits mehrfach an interne Gremien des WDR.

Der WDR hat mittlerweile eine Stellungnahme zu den Medienberichten veröffentlicht und wirft dem "Stadt-Anzeiger" und "Correctiv" tendenziöse Berichterstattung vor.

th

Anzeige