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"Zeit Magazin"-Chef: "Die Mischung aus Schwerem und Leichtem macht uns aus"

Sascha Chaimowicz ist Chefredakteur des „Zeit Magazins“. Nach 100 Tagen im Amt zieht er bei MEEDIA eine erste Bilanz. Dabei geht es u.a. um seine Haltung zum Home Office und das Selbstverständnis seines Magazins. Unsere Rubrik: 5 Fragen nach 100 Tagen.

Meedia Redaktion17.08.2022 09:56
Sascha Chaimowicz ist alleiniger "Zeit Magazin"-Chefredakteur -
Sascha Chaimowicz ist alleiniger "Zeit Magazin"-Chefredakteur - Foto: Phil Dera

Bei 5 Fragen nach 100 Tagen stellen wir Persönlichkeiten aus der Branche, die einen neuen Job oder ein neues Amt übernommen haben, Fragen, wie sie sich eingelebt haben, was sie bereits umsetzen konnten und was sie womöglich so nicht erwartet haben. In dieser Ausgabe: Sascha Chaimowicz, „Zeit Magazin“-Chefredakteur.

Wie sind Ihre Eindrücke vom neuen Verantwortungsbereich?

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Mein stärkster Eindruck: Ich empfinde den Job vor allem als große Freude. Ich bin glücklich darüber, dass ich mit den stellvertretenden Chefredakteuren Anna Kemper, Emilia Smechowski und Tillmann Prüfer so eng und vertrauensvoll zusammenarbeiten kann. Gerade das Vertrauen ist wichtig, weil es die Grundlage dafür ist, dass wir über alles – Themen, Heftmischungsfragen, Personalentscheidungen – diskutieren und auch mal streiten können. Dass wir als Team so gut funktionieren, und dass es auch noch Spaß macht, zusammen so viel Zeit zu verbringen, ist ein Glück.

Was konnten Sie in den ersten 100 Tagen bereits erfolgreich umsetzen, was gelang nicht?

Ein Ziel war es, die Redaktion aus dem Home-Office-Modus zu holen und als Team wieder physisch zusammenzubringen – das ist gelungen. Man sagt das ja immer so, dass gute Ideen durch echte Begegnungen entstehen, durchs Quatsch reden im Flur, durchs zusammen Essen gehen, aber es stimmt wirklich. Außerdem ist es für die Laune und den Kopf gut, nicht den ganzen Tag über Bildschirme zu kommunizieren. Für meinen Geschmack könnte der Anteil an digitalem Austausch noch weiter zurückgehen. Die Home-Office-Zeit hat viele in der Branche daran gewöhnt, alle möglichen Arbeitsschritte und Gedanken per Slack-Nachricht und Email zu klären, statt sich zu sammeln und auf das nächste Treffen, das nächste echte Gespräch zu warten. So ein konstanter Strom an digitalen Nachrichten hat Vorteile, weil man dadurch vielleicht mal schneller eine Antwort bekommt, aber die Nachteile überwiegen – der Strom ist nicht gut für die Konzentration und den Spaß an der Arbeit, beides wichtig für eine gute Magazinredaktion.

An welchen Themen arbeiten Sie momentan?

Eine Frage, die ich im Moment interessant finde: Wie gehen wir als "Zeit Magazin" mit Prominenten um, so dass was Substanzielles rauskommt oder es wirklich unterhaltsam ist? Wir arbeiten an einem Prominenten-Format, das darauf hoffentlich eine Antwort gibt. Da wir ansonsten aber davon leben, dass unser Heft möglichst überraschend ist, will ich weitere Themen lieber nicht verraten.

Welche Aufgaben sehen Sie langfristig als Ihre größten Herausforderungen?

Neben der gesellschaftlichen Relevanz geht es im "Zeit Magazin" schon auch darum, nach dem Schönen in der Welt Ausschau zu halten, Zuversicht und Lebensfreude zu vermitteln. Angesichts der Weltlage ist das sicher eine Herausforderung. Ich glaube aber, dass beides zusammengeht, viele tragen diesen Widerspruch ja auch in sich: Wir nehmen die ökologische Krise sehr bewusst wahr, den Krieg in Europa – und suchen dennoch nach den kleinen Momenten des Glücks im Alltag. Nehmen Sie unsere vergangenen Hefte: Die Schriftstellerin Karen Köhler schreibt über die Dinge ihres toten Vaters und wie sie ihr dabei helfen, ihn nicht zu vergessen. Bernd Ulrich erklärt, was er in fünf Jahren vegan sein über die Gesellschaft gelernt hat. Aber wir haben auch Schriftsteller wie Heinz Strunk und Wladimir Kaminer gebeten, uns neue Ballermann-Hits zu dichten, nachdem Layla ein wenig in Verruf geraten war.

Was war Ihre wichtigste neue Erkenntnis?

Etwas, das ich mir vorher schon auch gedacht habe, dass ich als Chefredakteur jetzt aber noch mal klarer sehe: Der ganze Erfolg des "Zeit Magazins" basiert auf den Menschen, die hier arbeiten. Zum großen Teil auch auf denjenigen, die eher unsichtbare Arbeit leisten.


Im April 2021 hat MEEDIA-Redakteur Thomas Borgböhmer den damals noch Co-Chefredakteur des "Zeit Magazin" porträtiert. Lesen Sie hier die ganze Geschichte:

Der Co-Chefredakteur des „Zeit Magazins“: Was treibt Sascha Chaimowicz an?

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