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MarTech

Fifa macht gemeinsame Sache mit Roblox

Nach dem bevorstehende Ende der exklusiven Partnerschaft zwischen der Fifa und Electronic Arts hat der Weltfußballverband nun einen ersten neuen Partner vorgestellt: die Game-Plattform Roblox.

Stephan Steininger13.10.2022 09:55
So präsentiert sich die neue "Fifa World" bei Roblox -
So präsentiert sich die neue "Fifa World" bei Roblox - Foto: Fifa / YouTube

Es ist eine der großen Fragen derzeit in der Gamesbranche: Wie geht es mit dem Umsatzgaranten Fußball in der virtuellen Welt weiter, wenn die seit über 20 Jahren bestehende, exklusive Partnerschaft zwischen der Fifa und Electronic Arts endet. Nun hat sich der Vorhang zumindest ein kleines Stück weit gelüftet, denn die Fifa hat einen ersten neuen, nicht-exklusiven Partner vorgestellt. Roblox.

Start noch vor der WM
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Noch vor der Fußballweltmeisterschaft der Männer in Katar starten Roblox und die Fifa die "Fifa World" innerhalb des Roblox-Kosmos (hier geht es zu einem YouTube-Video, das die "Fifa World" zeigt). Es ist Roblox-typisch eine immersive Welt, in der gespielt und mit anderen Nutzer:innen interagiert und kommuniziert werden kann. Daneben sollen in "Fifa World" auch Videoinhalte aus der Fifa+ Bibliothek, dem kürzlich angekündigten Streaming-Abo-Service der Fifa, integriert werden. Als virtuelle Spielfiguren werden in "Fifa World" unter anderem auch der FC-Barcelona-Spieler Pedri sowie die VfL-Wolfsburgerin und Nationalspielerin Lena Oberdorf integriert.

Die Partnerschaft zwischen der Fifa und Roblox ist auf mehrere Jahre ausgelegt. Die Unternehmen versprechen das Angebot kontinuierlich weiterzuentwickeln.

"Die Fans sind das Herz des Fussballs. An diesem Projekt beteiligt zu sein und sie in der Roblox-Welt zu treffen, ist fantastisch. Wir feiern gern mit den Fans. Dies ist jetzt sowohl in Fifa World als auch auf dem Spielfeld möglich. Es ist toll, dass die Fifa und Roblox diese Chance ergreifen und dem Frauenfussball eine solche Bühne bieten. Ich bin schon ganz gespannt, was uns 2023 mit Blick auf Australien und Neuseeland erwartet", so Oberdorf.

Roblox ist im Schatten der großen Sozialen Netzwerke längst zu einer der wichtigsten Metaverse-Plattformen der Welt geworden. Ähnlich wie Minecraft verzichtet Roblox derzeit noch bewusst auf fotorealisitische Darstellung, sorgt aber für einfache Tools, damit Hobby- und Profi-Developer:innen aus der ganzen Welt Content für die Plattform bauen und dort auch vermarkten können.

Werbung auf Roblox

Erst vor wenigen Wochen kündigte Roblox die Einführung von Werbeformen für 2023 an, welche die Community in ihre Inhalte zu monetarisierungszwecke einbauen kann. Auch die Zahl der Werbepartner, die wie jetzt die Fifa eigene Markenwelten in Roblox erstellen steigt stetig. Gleiches gilt auch für Reichweite und Umsatz. Für August 2022 vermeldete das Unternehmen 59,9 Millionen täglicher Nutzer:innen, ein Plus von 24 Prozent gegenüber Vorjahr, sowie eine Nutzungszeit von kumuliert 4,7 Mrd. Stunden, 18 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Bookings, also die Ausgaben der User:innen, haben zwischen 233 und 237 Mio. Dollar betragen, der buchbare Umsatz zwischen 208 und 211 Mio. Dollar.

Die Partnerschaft mit Roblox dürfte nur die erste von mehreren neuen Partnerschaften mit Unternehmen aus der Spielebranche sein, welche die Fifa in den kommenden Wochen und Monaten verkünden wird. Hintergrund ist das Ende einer über mehr als zwei Jahrzehnte dauernden, exklusiven Partnerschaft zwischen der Fifa und Electronic Arts, Hersteller der "Fifa"-Games. Dem vernehmen nach scheiterte eine weitere Verlängerung des Vertrags an zu hohen Geldforderungen des Verbands sowie der Absicht die Exklusivität zu lockern, um andere interaktive Angebotsformen neben der Fußball-Simulation mit anderen Partnern umzusetzen. Das wollte EA nicht akzeptieren. Ende 2021 wurde der Streit öffentlich. Unter anderem berichtete das Wall Street Journal über Milliardenforderungen seitens der FIFA. Wenig später erklärten die Partner, dass das im Herbst 2022 erschienene "Fifa 23" das letzte gemeinsame Projekt sei.

EA kündigte damals auch an, seine Simulationsspiele ab 2023 alleine und unter dem Namen "EA Sports FC" zu vermarkten. Das ist möglich, da der Deal mit der Fifa lediglich die Namensrechte des Produkts sowie die Integration der Fußballweltmeisterschaften umfasst. Die Rechte an Spielernamen, Spieleraussehen, Vereinen, Stadien etc. musste EA davon unabhängig einkaufen. Da es dabei teilweise auch Exklusivvereinbarungen gibt ist es keineswegs gewiss, dass ein "Fifa 24", von welchem Publisher es auch kommen mag, alle Echtnamen von Vereinen, Spieler:innen oder Ligen verwenden darf, doch genau das war immer ein entscheidender Faktor in der Vermarktung von Fußball-Simulationen.

Dieser Text erschien zunächst bei "Gamesmarkt", das wie MEEDIA bei Busch Glatz Germany erscheint.

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