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Staatsschutz ermittelt, Hintergründe sind weiter unklar

Nach Dreharbeiten bei einer Demo von Gegnern der Corona-Maßnahmen wird ein ZDF-Team brutal angegriffen. Zunächst Festgenommene sind wieder frei. Völlig unklar ist, was dahinter steckt.

dpa04.05.2020 05:24
Die Ausrüstung eines ZDF-Kamerateams liegt nach einem Übergriff zwischen Alexanderplatz und Hackescher Markt auf dem Boden –
Die Ausrüstung eines ZDF-Kamerateams liegt nach einem Übergriff zwischen Alexanderplatz und Hackescher Markt auf dem Boden – Foto: Christoph Soeder/dpa

Nach dem Angriff auf ein ZDF-Kamerateam in Berlin sind möglicherweise politische Hintergründe der brutalen Attacke weiter unklar. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) geht von einem vorsätzlichen Angriff aus. Laut Staatsanwaltschaft sind zunächst festgenommene Personen dem linken Spektrum zuzurechnen. Details dazu gab es nicht.

Das siebenköpfige ZDF-Team der Satiresendung "heute-show" hatte am Freitag bei einer Demonstration gegen die Corona-Regeln gefilmt, an der auch Rechtspopulisten und Anhänger von Verschwörungstheorien teilnahmen. Nach dem Angriff mussten laut ZDF Redakteur, Kameramann und Kameraassistent sowie drei Security-Mitarbeiter im Krankenhaus behandelt werden. Alle sechs konnten das Krankenhaus später wieder verlassen.

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Kommen die Verdächtigen aus dem linken Spektrum?

Zunächst waren sechs Tatverdächtige festgenommen worden, die am Samstag jedoch wieder auf freien Fuß gesetzt wurden. Bei vier Personen habe sich der Tatverdacht nicht erhärten lassen, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Steltner der dpa. Bei zwei Personen gebe es Verdachtsmomente, es lägen aber keine Haftgründe vor. Weiter ermittelt werde auch zu bisher unbekannten Beteiligten.

Bei einem Dreh heute in Berlin ist unser Kamerateam angegriffen worden. Mehrere Teammitglieder sind im Krankenhaus, unser Reporter Abdelkarim ist unverletzt. Wir sind schwer betroffen und wünschen den Kollegen eine schnelle Genesung. (1/2)

— ZDF heute-show (@heuteshow) May 1, 2020

Auf Details zu Hintergründen der Verdächtigen wollte Steltner nicht eingehen. Zur Einschätzung sei es so, "dass die Personen, die festgestellt wurden, dem linken Spektrum zuzurechnen sind nach unseren Erkenntnissen". Dies sei alles Gegenstand der Ermittlungen.

Das Landeskriminalamt Berlin hat zu drei der sechs Festgenommenen Hinweise zu Hintergründen. Zu einem 24-Jährigen und zwei Männern im Alter von 25 Jahren lägen "Erkenntnisse im Bereich der politisch motivierten Kriminalität links" vor, sagte eine Sprecherin des Landeskriminalamtes am Sonntag der dpa. Die Motivation für die Attacke auf das Fernsehteam sei derzeit aber noch unklar.

"Das sieht alles aus nach einer gezielten Aktion", sagt Müller

Berlins Regierender Bürgermeister Müller sagte im Deutschlandfunk unter Berufung auf Informationen von Innensenator Andreas Geisel (SPD): "Das sieht alles aus nach einer gezielten Aktion, einer – in Anführungszeichen – Racheaktion für diese Dreharbeiten." Näheres wisse er noch nicht. Er hoffe, der Angriff werde ein juristisches Nachspiel haben.

Der Angriff ging nach Einschätzung der Polizei von einer etwa 15-köpfigen Gruppe aus, die gemeinsam auf das Team losging. Das gehe aus Schilderungen von Zeugen der Tat hervor, sagte ein Sprecher der Bundespolizeidirektion Berlin. Was vor dem Angriff vorgefallen sei, könne er nicht sagen. Die Zeugen hätten Beamte der Bundespolizei auf den Vorfall aufmerksam gemacht, so der Sprecher weiter. Als die Beamten eintrafen, waren die Täter seinen Angaben zufolge bereits geflüchtet.

Laut Zeugenaussagen seien sie mit Fahrrädern und einem Auto unterwegs gewesen, sagte der Sprecher. Die Bundespolizisten hätten sofort Fahndungsmaßnahmen eingeleitet und die Berliner Polizei informiert. Fahrzeug und Insassen seien später aufgefunden worden. Zum Hintergrund der Attacke und zur Identität der Tatverdächtigen konnte die Bundespolizei keine Angaben machen.

Ein Angriff auf die Pressefreiheit, so der DJV

Nach Angaben der Berliner Polizei war das ZDF-Team, zu dem der Satiriker Abdelkarim gehörte, von einer Gruppe von Menschen zusammengeschlagen worden. Der Comedian, der als einziger nicht im Krankenhaus behandelt werden musste, dankte über Twitter Polizei, Zeugen, Rettungssanitätern und Sicherheitsleuten, die sein Team begleitet hatten. "Nach Einschätzung eines Sicherheitsmannes hatten wir Glück im Unglück. Das Ganze hätte auch viel tragischer enden können", schrieb er.

Servus, ich grüße euch,
ich wollte mich nur mal kurz für die große Anteilnahme von euch bedanken. Auf allen Kanälen kamen Nachrichten von vielen Menschen. Vielen lieben Dank. https://t.co/kQ2O3SOXYb

— ??????????? (@AbdelkarimsLP) May 2, 2020

Die Angreifer seien mit "Totschlägern" auf das Team losgegangen, zitierte das ZDF Harald Ortmann, den Geschäftsführer der beteiligten Produktionsfirma. Für den Dreh seien vorab drei Sicherheitsleute engagiert worden, erklärte Ortmann demnach. Mittlerweile sei dies bei Filmdrehs über Demonstrationen Standard.

Der Vorsitzende des Deutschen Journalistenverbands, Frank Überall, nannte den Überfall einen Angriff auf die Pressefreiheit. Ähnlich hatte zuvor ZDF-Programmdirektor Norbert Himmler den Angriff verurteilt. "Die Pressefreiheit ist – gerade in diesen Tagen – ein hohes Gut."

Innenminister Horst Seehofer sagte, der Staat habe zu garantieren, "dass dieses Grundrecht zu jeder Zeit und an jedem Ort gewährleistet ist". Wer Journalisten angreife, müsse "die Kraft unseres Rechtsstaates zu spüren bekommen". Gewalt und Gewaltandrohungen müssten geächtet werden: "Es geht hier um die Grundwerte unseres Gemeinwesens."

dpa

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